Die größten Klassiker der jüdischen Literatur versammelt ein weitgespanntes Panorama jüdischer Erfahrung, Erinnerung und intellektueller Selbstverständigung von der Aufklärung bis zur Moderne. Essays, Erzählungen, Romane, Feuilletons, dramatische Texte und philosophische Reflexionen treten miteinander in Beziehung: von den humorvoll-melancholischen Welten Scholem Alejchems über die urbanen Beobachtungen Egon Erwin Kischs bis zu den existenziellen Erkundungen Franz Kafkas und den sprachkritischen Interventionen Karl Kraus'. So entsteht ein literarischer Raum, in dem Diaspora, Emanzipation, Antisemitismus, religiöse Überlieferung und kulturelle Zugehörigkeit vielstimmig verhandelt werden. Die versammelten Autoren, Denker und Publizisten stehen für die außergewöhnliche Produktivität jüdischen Lebens im deutschsprachigen und europäischen Kulturraum. Ihre Arbeiten berühren die Haskala, den Zionismus, die psychoanalytische und philosophische Moderne ebenso wie die politischen Erschütterungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Zwischen Moses Mendelssohns Aufklärungsdenken, Theodor Herzls politischer Vision, Sigmund Freuds Tiefenpsychologie und den poetischen Stimmen Else Lasker-Schülers oder Franz Werfels entfaltet sich ein facettenreiches Gespräch über Freiheit, Identität und Geschichte. Dieser Band empfiehlt sich als kenntnisreiche Einladung zur Entdeckung einer Literatur von großer ästhetischer und historischer Reichweite. Er ermöglicht, kontrastierende Formen und Perspektiven in einem einzigen Zusammenhang zu lesen, und schärft so den Blick für die Dialoge, Spannungen und bleibenden Fragen, welche diese Texte miteinander verbinden.