Diese Auswahl zeichnet ein weitgespanntes Panorama der Romantik als Gefühls-, Gesellschafts- und Bildungsroman. Von Shakespeares leidenschaftlichen Konflikten über Goethes und Stendhals psychologische Selbstbefragungen bis zu den großen Erzählwelten Dostojewskis, Tolstois und Dickens' entfaltet sie Stile zwischen Drama, Novelle, Abenteuerroman, Familienchronik und sentimentalem Erzählen. Werke von Austen, Brontë, Flaubert, Hugo und Courths-Mahler machen sichtbar, wie Liebe stets mit Stand, Moral, Besitz und sozialer Erwartung verflochten ist. Die versammelten Autorinnen und Autoren repräsentieren europäische und nordamerikanische Literaturtraditionen vom Mittelalter bis zur Moderne. Romantik, Realismus, Naturalismus, viktorianischer Roman und Unterhaltungsliteratur treten dabei in einen produktiven Zusammenhang. Besonders die starke Präsenz von Schriftstellerinnen – darunter Burney, Sand, Eliot, Alcott, Montgomery, Marlitt und Spyri – erweitert den Blick auf weibliche Bildung, ökonomische Abhängigkeit und familiäre Lebensformen. Gemeinsam dokumentieren diese Stimmen den Wandel literarischer Vorstellungen von Individualität und Bindung. Der Band empfiehlt sich als ebenso anregende wie zugängliche Reise durch kanonische und populäre Erzählkunst. Er eröffnet die seltene Gelegenheit, unterschiedliche nationale Perspektiven und ästhetische Verfahren in einem Zusammenhang zu vergleichen. So wird die Sammlung zu einer lohnenden Grundlage für Leserinnen und Leser, die die kulturelle Geschichte der Liebe und ihre fortdauernde literarische Gestaltung erkunden möchten.