"Böse Mädchen der Literatur" versammelt Figuren und Stimmen, an denen sich literarische Vorstellungen von Tugend, Begehren, sozialer Norm und weiblicher Selbstbestimmung entzünden. Von der antiken Tragödie über den libertinen Roman und den bürgerlichen Realismus bis zur englischen Gesellschaftssatire und russischen Moralerzählung entfaltet der Band ein weites stilistisches Spektrum. Verführerinnen, Rebellinnen, Ausgestoßene und Grenzgängerinnen erscheinen dabei nicht als bloße Gegenbilder der Moral, sondern als Prüfsteine ihrer Zeit. Die versammelten Autoren und Autorinnen – darunter Euripides, Laclos, Restif de la Bretonne, Sade, Balzac, Flaubert, Thackeray, Emily Brontë, Tolstoi, Lena Christ und Heinrich Mann – repräsentieren unterschiedliche nationale Traditionen und poetische Verfahren. Ihre Texte stehen im Spannungsfeld von Aufklärung, Romantik, Realismus, Naturalismus und Moderne. Gemeinsam machen sie sichtbar, wie Geschlechterordnungen literarisch bestätigt, ironisiert oder radikal in Frage gestellt werden. Dieser Band empfiehlt sich als ebenso anregende wie kenntnisreiche Erkundung der literarischen Provokation. Er eröffnet die seltene Gelegenheit, kontrastierende Epochen, Erzählhaltungen und kulturelle Perspektiven in einem Band miteinander ins Gespräch zu bringen. Für Studium und persönliche Lektüre bietet die Sammlung einen differenzierten Zugang zu weiblicher Devianz als ästhetischem, sozialem und historischem Thema.